Avitus von Vienne
Gedenktag katholisch: 5. Februar
Name bedeutet: der Großväterliche (latein.)
Avitus, Sohn des Erzbischofs Hesychius I. von Vienne und der Audentia, entstammte einer vornehmen Familie im Umfeld des Kaisers Avitus und war zunächst als Beamter tätig. Wohl 494 wurde er als Nachfolger seines Vaters Erzbischof von Vienne. Er bekämpfte mit Nachdruck den Arianismus, der im Königreich Burgund vorherrschte; sein Bemühen, König Gundobad vom Arianismus abzubringen, blieb erfolglos, aber er bekehrte den Thronerben, König Sigismund von Burgund, zum katholischen Glauben und bewog ihn zur Stiftung des Klosters am Grab von Mauritius in Agaunum - dem heutigen St-Maurice in der Schweiz. Avitus hielt 517 zur Festigung der katholischen Kirche das 1. burgundische KonzilSynode (altgriech. für Zusammenkunft) bezeichnet eine Versammlung in kirchlichen Angelegenheiten. In der alten Kirche wurden "Konzil" und "Synode" synonym gebraucht. In der römisch-katholischen Kirche sind Synoden Bischofsversammlungen zu bestimmten Themen, aber mit geringerem Rang als Konzile. In evangelischen Kirchen werden nur die altkirchlichen Versammlungen als Konzile, die neuzeitlichen Versammlungen als Synode bezeichnet. in Epaone - dem heutigen Albon bei Vienne - ab. Avitus war überzeugt, dass die katholische Kirche den Fortbestand der alten Einheit eher sichern könne als die Institutionen des zerfallenen Imperium Romanum, deshalb unterstützte die Vorrangstellung des Papstes und mühte sich um die Beendigung des west-östlichen Schismas.
Avitus wandte sich gegen den Semipelagianismus und die Irrlehren von Eutyches.
Das biblische Epos De spiritalis historiae gestis
, Dokumente über die Ereignisse der geistlichen Geschichte
schildert in fünf Büchern die Schöpfung, den Sündenfall mit Gottes Richterspruch und dem Verlust des Paradieses, die Sintflut
sowie den Durchzug durch das Rote Meer. Hinzu kam als sechstes Buch das Gedicht De virginitate
, von der
Jungfräulichkeit
. Rund 80 nachgelassene Briefe sind wichtige Dokumente der kirchlichen und weltlichen Geschichte der Jahre
499 bis 518. Von den 34 bekannten HomilienEine Homilie (von griech.„ὁμιλεῖν”, „vertraut miteinander reden”) ist eine Art von Predigt. Während eine Predigt die Großtaten Gottes preist (lat. „praedicare”, „preisen”) und Menschen für den Glauben begeistern will, hat die Homilie lehrhaften Charakter.
sind drei ganz erhalten.
Avitus' Grab ist in der Kirche St-Pierre in Vienne, die schon im 19. Jahrhundert archäologisches Museum wurde.
Worte des Heiligen
Im 3. Buch der Dokumente Über das Gottesurteil
schildert Avitus, wie Gott auf den Sündenfall
des Menschen reagiert. Der Bischof schreibt:
Aber du, mächtiger Christus, der du fähig bist, diesen vergänglichen Ton als Töpfer wiederherzustellen und die
seit langem zerbrochenen und kaputten Gefäße neu zu formen.
Du findest die Drachme, die schon lange unter einer tiefen Staubschicht verborgen war, nachdem du durch die Kraft
deines Wortes die Lampen angezündet hast.
Das Schaf, das seine Hürde verlassen hat und in schändlichem Irrtum umherstreift, ist dir, seinem Hirten, so wichtig,
dass du es mit schnellen Schritten suchst. Du trägst es, und damit es voller Freude seinem Pferch wiedergeschenkt werde,
wird zu deiner Last, was Gegenstand deiner Sorge war.
Genauso suchte jener jüngste Sohn, nachdem er sein aufgehäuftes Erbteil erschöpft und verschleudert hatte und sein
verschwenderischer Lebensstil sich nach dem Aufbrauchen seines Vermögens verschlechtert hatte, zu Recht sein schändliches
Mahl bei den Schweinen und wollte sich den Bauch mit wertlosen Schoten füllen.
Schließlich besiegte ihn nach langen Qualen sein beißender Hunger und zwang ihn zuletzt, sich wieder seinem Vater
anzuvertrauen, den er beleidigt hatte, und sich als geständiger Angeklagter von seinem Makel befreien zu lassen.
Am Ende hob der milde Vater ihn auf, nachdem er sich (vor ihm) zu Boden geworfen hatte, und beschwichtigte mit sanfter
Stimme seine Angst und Scham. Kleidung von allererster Güte verlieh dem Rückkehrer zum zweiten Male Schmuck, und die
feierliche Versammlung beging ein fröhliches Festmahl, weil der Sohn für seine Angehörigen gewissermaßen wiederbelebt und
vom Grabe auferstanden war und zu seinem verwaisten Vater als neues Licht seines Lebens zurückkehrte.
Doch du, mächtiger Schöpfer der Menschen und Dinge, erleidest, obwohl du willst, dass alles in ununterbrochenem Heil
beständig bleibt, dennoch keinerlei Einbußen durch unseren Tod, noch wird durch irgendjemandes Sterben deinem Reichtum ein
Schaden entstehen können. Du kennst kein Schwinden, du kennst kein Wachstum, und dein Ruhm hat Bestand in deinem
ungeteilten Königreich.
Gib du doch deinen Dienern zurück, was Adam verloren hat, und was der Ursprung unseres
verdorbenen Geschlechtes am Beginn erlitten hat, möge ein besseres Leben mit einem zweiten Anfang wiedergutmachen. Unsere
alte Gestalt mag allzu schmutzig geworden und von einem zerfetzten Kleid umhüllt sein: Lass deine zurückkehrenden Kinder
zusammen mit ihrer Sünde auch ihr zerrissenes Gewand ablegen, Vater, und reiche ihnen ihr ursprüngliches Kleid.
Alcimus Ecdicius Avitus: De spiritalis historiae gestis, Buch 3, übers. v. Manfred Hoffmann, Beiträge zur Altertumskunde Bd. 212. München / Leipzig 2005, S. 23 - 25
Zitate aus Predigten von Avitus von Vienne:
Lasst uns die Anmut des Mose und die sie bei weitem übertreffende
unseres Erlösers vergleichen. Denn um ein wenig das Neue mit dem Alten zu vergleichen: Jener kam zu diesem Volk mit
verhülltem Antlitz, dieser mit verborgener Gottheit, jener gehörnt in Erhabenheit, dieser sanftmütig in Demut; das Antlitz
von jenem strahlte in erhabenem Glanz, das Antlitz von diesem sollte mit Spucke und Blut entstellt werden; das menschliche
Angesicht von jenem zu sehen, war dem Mitsklaven nicht vergönnt, das göttliche Angesicht, durfte der Aussätzige erblicken.
Auch wenn es viele Gaben gibt:
so wirkt dies alles der eine und selbe Geist, indem er den einzelnen
zuteilt, wie er will
(1. Korintherbrief 12, 11). Dabei ist der Geist nicht in den Kleineren geringer und auch nicht
in den Größeren reichlicher; wenn durch ihn der eine auch weniger empfängt als der andere, so soll er begreifen, dass eher
die Gabe gemindert werden kann als der Geber.Der heilige Paulus sagt, dass
wir durch Geduld und den Trost der
Schriften eine feste Hoffnung haben sollen
(Römerbrief 15, 4), das betrifft zwar alle Christen, aber besonders jene,
denen es in dieser Welt gegeben ist, entweder für Gott Verfolgung zu erleiden oder aus Liebe zur Wahrheit in Bedrängnis
zu geraten oder in Anbetracht der irdischen Pilgerschaft Reue zu empfinden.
Fragmente aus Predigten zu 2. Korintherbrief 3, 4ff; 1. Korintherbrief 12, 11; Römerbrief 15, 4 in: Migne Patrologia Latina 59, Sp. 308f; 307; 303, eigene Übersetzung
zusammengestellt von Abt em. Dr. Emmeram Kränkl OSB,
Benediktinerabtei Schäftlarn,
für die Katholische SonntagsZeitung
Stadlers Vollständiges Heiligenlexikon
Schriften von Avitus gibt es online zu lesen in den Documenta Catholica Omnia.
Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon
Das archäologische Museum in der
Kirche St-Pierre ist zwischen April und Oktober
täglich außer montags von 9.30 Uhr bis 13 Uhr und von 14 Uhr bis 18 Uhr, im Winter nur bis 17 Uhr und samstags und sonntags
nur nachmittags geöffnet, der Eintritt beträgt 2,80 €. (2014)
Die Kathedrale in Vienne ist täglich von
8.30 Uhr bis 17 Uhr (im Sommer bis 18 Uhr) geöffnet. (2014)
Heiligenlexikon als USB-Stick oder als DVD
Unterstützung für das Ökumenische Heiligenlexikon
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Autor: Joachim Schäfer
- zuletzt aktualisiert am 22.06.2024
Quellen:
• https://www.newadvent.org/cathen/02161c.htm - abgerufen am 19.07.2023
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe. J.B. Metzler, Stuttgart /
Weimar 2000
korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet das Ökumenische Heiligenlexikon in der
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https://d-nb.info/1175439177 und https://d-nb.info/969828497 abrufbar.