Bernhard von Aosta
auch: von Montjou, von Menthon
Gedenktag katholisch: 15. Juni
gebotener Gedenktag im Bistum Sitten und im Orden der Augustiner-Chorherren/-frauen
28. Mai
Auffindung der Gebeine: 10. April
Name bedeutet: der Bärenstarke (althochdt.)
Bernhard entstammte der legendären Überlieferung aus dem 15. Jahrhundert nach einer begüterten adligen Familie und war der Sohn des Ritters Richard von Menthon. Er studierte demnach in Paris Philosophie und Jura. Dann aber folgte er nicht dem Vorschlag seines Vaters zu einer noblen Hochzeit mit der adligen == Margaretha von Miolans; die Legende berichtet, dass er deshalb von seinem Vater in den Turm des elterlichen Schlosses eingesperrt, aber von Nikolaus durch ein Fenster befreit wurde und nach Aosta zu Archidiakon Peter floh. Bernhards Braut wurde dieser Überlieferung zufolge dann Zisterziensernonne in Grenoble 1.
Bernhard wurde Peters Nachfolger als Archidiakon des Bischofs von Aosta - ob er je zum Priester geweiht wurde, ist fraglich. Er sah den anhaltenden Götzendienst der armen Leute in den Bergen und entschloss sich, ihren Glauben zu stärken. Seine Predigten bekehrten gemäß der Legende viele Menschen, er wirkte demnach mit beim Aufbau mehrerer Bistümer; auch in der Lombardei erreichte er viele Bekehrungen und vollbrachte Wunder.
Bernhard baute auf der Passhöhe, die heute nach ihm benannt ist, ein Kloster mit Hospiz - nach mancher Überlieferung 973, tatsächlich um 1050. Damals lebten die Mönche nach der Regel des Kapitels von Aosta, seit 1125 ist es als Haus der Augustiner-Chorherren urkundlich bezeugt. Berühmt wurden die seit Mitte des 17. Jahrhunderts ebenfalls nach Bernhard benannten, auf die Rettung Verschütteter trainierten Hunde, die die Mönche als Helfer schon damals einsetzten und inzwischen zur eigenständigen Hundeart weiterzüchteten.
Den gefährlichen Alpenübergang des Monte Jovis / Mont-Joux zwischen dem schweizerischen
Wallis und dem italienischen
Aosta-Tal benutzten viele Reisende, v. a. auch
viele Pilger; auch dieser Berg des Jupiters
wurde von Bernhard christianisiert und ist heute der nach ihm benannte
Große-Sankt-Bernhard-Pass. Bereits in
vorrömischer Zeit hatten die Kelten auf dem Pass ihren Berggott Poeninus verehrt, der unter römischer Herrschaft mit
Roms Göttervater Jupiter verschmolzen war; die
Römer hatten ihm deshalb auf der Passhöhe einen Tempel errichtet.
Kurz darauf richtete Bernhard auch das - heute in Ruinen liegende Hospiz auf dem Kleinen Sankt-Bernhard-Pass zwischen dem Isèretal im französischen Département Savoyen und dem italienischen Aosta-Tal. Dort stand eine Jupiter-Statue; Bernhard zog der Legende nach mit neun französischen Pilgern zur Säule des Götzen hoch; als sie sich dieser näherten, brach ein Sturm los mit Hagel und Schnee, Blitz und Donner, der Leibhaftige selbst heulte durch die Luft, ein Ungeheuer tauchte in der Gestalt eines Drachen auf. Doch Bernhard fürchtete sich nicht, warf dem Drachen eine Stola um den Hals, die sich in eine Kette verwandelte, woraufhin seine Begleiter das Ungeheuer töten konnten. Heute steht auf der Säule eine Statue von Bernhard.
Bernhard wurde der Überlieferung zufolge am 15. Juni 1007 im damaligen Kloster San Lorenzo in Novara bestattet. Nachdem Kirche und Kloster 1522 abgerissen wurden, kamen seine Gebeine in die Kathedrale von Novara.
Nach einer anderen Lebensgeschichte wurde Bernhard 1008 im Aosta-Tal geboren und starb erst 1081. Demnach traf Bernhard im Frühjahr 1081 in Pavia mit König Heinrich IV. zusammen, um ihn von seinem Plan abzubringen, wegen des Investiturstreites Papst Gregor VII. abzusetzen und an dessen Statt den Gegenpapst Clemens III. zu inthronisieren. Auf der Rückreise von Pavia starb er in Novara.
Auf der Passhöhe des Großen St. Bernhard haben archäologische Funde Reste des Jupiter- / Poeninus-Tempels und eines römischen Hospizes, seine Bronzestatue sowie ihm geweihte Bronzetafeln an den Tag gebracht.
Kanonisation:
Schon im 12. Jahrhundert wurde Bernhard im ganzen
Piemont als Heiliger verehrt,
1123 von Bischof Richard von
Novara als heilig erklärt, was nach heutigen
Verständnis einer Seligsprechung entspricht; erst am 9. August 1681 wurde er durch
Papst Innozenz XI. offiziell heiliggesprochen. Papst Pius XI. - ein zuvor
begeisterter und wagemutiger Bergsteiger - ernannte ihn 1923 zum Patron der Alpenbewohner und Bergsteiger.
Attribute:
mit Teufel, mit Turm
Patron
der Alpenbewohner, Bergsteiger und Skifahrer
1 ▲ Tatsächlich gab es damals noch kein Zisterzienserinnenkloster in oder nahe Grenoble.
2 ▲ Nachdem Bernhards Hospiz am Kleinen St. Bernhard beschädigt war, wurde es um 1045 durch Erzbischof Petrus II. von Tarentaise westlich des Passes, also in seiner Diözese, wieder aufgebaut.
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Autor: Joachim Schäfer
- zuletzt aktualisiert am 22.02.2024
Quellen:
• Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001
• P. Ezechiel Britschgi: Name verpflichtet. Christiana, Stein am Rhein, 1985
• https://www.newadvent.org/cathen/02503b.htm - abgerufen am 19.07.2023
• Charlotte Bretscher-Gisinger, Thomas Meier (Hg.): Lexikon des Mittelalters. CD-ROM-Ausgabe. J.B. Metzler, Stuttgart /
Weimar 2000
• Lexikon für Theologie und Kirche, begr. von Michael Buchberger. Hrsg. von Walter Kasper, 3., völlig neu bearb. Aufl.,
Bd. 2. Herder, Freiburg im Breisgau 1994
• Friedrich-Wilhelm Bautz. In: Friedrich-Wilhelm Bautz (Hg.): Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. I,
Hamm 1990
• https://www.nzz.ch/gesellschaft/reise/schutzpatron-der-bergsteiger-o-du-heiliger-bernhard-ld.116912 - abgerufen am 19.07.2023
• https://fr.wikipedia.org/wiki/Col_du_Petit-Saint-Bernard - abgerufen am 18.02.2024
korrekt zitieren: Joachim Schäfer: Artikel
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Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über
https://d-nb.info/1175439177 und https://d-nb.info/969828497 abrufbar.